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Dienstag, 8. Mai 2012, 12:02

Weserstadion

Sicherheitskonzept fürs Weserstadion liegt vor

Die Sicherheit am und im Weserstadion ist seit Jahren immer wieder Thema. Mit Nachdruck wird die Diskussion seit dem 25. September 2010 geführt. An jenem Tag verlor der HSV mit 2:3 gegen den SV Werder; nach dem Abpfiff verletzten sich mehrere HSV-Fans und Polizisten: Sie stürzten eine Treppe in der Westtribüne hinunter, nachdem eine Polizeisperre durchbrochen worden war. Eine Reihe von Vorschlägen, wie die Einsatztaktik von Polizei und Rettungskräften verbessert werden könnte, kam auf den Tisch; im Sommer 2011 folgte eine Katastrophenschutzübung.

Nun hat die Innenbehörde ein Konzept vorgelegt, die Innendeputation soll sich am 23. Mai damit befassen. Anders als bislang vorgesehen, soll der Tennisclub Rot-Gelb auf der Westseite des Stadions nicht mehr weichen. Aber er soll auf zwei seiner fünf Plätze verzichten. Auf dieser Fläche sollen im Notfall Verletzte behandelt werden.

Das wird für Diskussionen sorgen. Denn der Verein hat sich bisher nur bereit erklärt, einen Platz abzugeben, sagt Clubchef Wilhelm Hinners, der für die CDU auch in der Innendeputation sitzt. Das habe die Jahreshauptversammlung Ende März beschlossen. Hinners: "Mit vier Plätzen würden wir klarkommen." Drei Plätze seien dagegen für den Verein mit seinen gut 120 Mitgliedern zu wenig. "Dann würden wir Schwierigkeiten bei unserer Jugendarbeit und bei Punktspielen bekommen."

Club hat langfristigen Vertrag

Deshalb plädiert der Verein dafür, die Wiese nördlich des Clubgeländes sowie des benachbarten Segelvereins so zu befestigen, dass sie im Ernstfall genutzt werden kann, um Verletzte zu versorgen. Diese Möglichkeit hat die Behörde dem Vernehmen nach verworfen. Begründung: Das Areal werde bei Hochwasser zu oft überschwemmt.

Wie der Club mit dieser Situation umgeht, dazu könne er nichts sagen, erklärt Hinners. "Das müssen wir auf einer Jahreshauptversammlung klären." Der Club hat einen langfristigen Pachtvertrag. Will die Stadt einen Teil der Fläche wieder selbst nutzen, müsste sie den Kontrakt teilweise kündigen. Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) nannte die jetzige Lösung ein "faires Angebot". Er setze darauf, dass Rot-Gelb Einsicht zeige und es annehme.

Als Zufahrt für den Behandlungsplatz auf der Westseite des Stadions soll der sogenannte Ambienteweg genutzt werden, also der Fußweg, der neben dem Lokal Ambiente vom Osterdeich hinunter zur Weser führt. Dafür soll er auf einer Seite einen Streifen Schotterrasen bekommen und so auf 3,50 Meter verbreitert werden. Dann kann die Trasse dem Konzept zufolge von bis zu fünf Tonnen schweren Rettungswagen befahren werden. Kostenpunkt: etwa 18000 Euro. Als Alternative war der Ausbau des Weges als Feuerwehrzufahrt, also für Fahrzeuge mit einem Gewicht von bis zu 14 Tonnen, im Gespräch. Das wurde dem Vernehmen nach verworfen mit dem Argument: Auch bei der jetzt geplanten Befestigung könne im Notfall schweres Gerät passieren. Wenn der Weg danach ramponiert ist, wird er wiederhergestellt.

Auf der Ostseite des Stadions soll der Bouleplatz im Ernstfall genutzt werden, um Verletzte zu versorgen. Von dort aus würden diese über die Parkplätze und die sogenannte Ostrampe kurz vor der Erdbeerbrücke ins Krankenhaus transportiert. Darüber hinaus sind im Stadion selbst zwei Behandlungsplätze ausgewiesen worden, einer im Osten und einer im Westen der Betonschüssel. Die nötigen Medikamente und das nötige Verbandszeug sind bereits im Stadion eingelagert. Als Landefläche für Rettungshubschrauber würde Platz 11 genutzt. Zwar könnten Hubschrauber auch auf dem Rasen im Stadion aufsetzen. Doch weil die Verantwortlichen damit rechnen, dass die Zuschauer bei einem Unglück auch aufs Spielfeld flüchten könnten, gilt diese Variante als zu gefährlich.

Anrainer diskutieren Konzept

Robert Bücking, Leiter des Ortsamts Östliche Vorstadt/Mitte, sagte zu dem jetzigen Entwurf: "Auf den ersten Blick ist das sehr nah an den Überlegungen, die es auch im Stadtteil gibt." Der Beirat Östliche Vorstadt hatte bekanntlich gefordert, erst über die Einsatztaktik von Polizei und Rettungskräften nachzudenken – statt gleich auf größere bauliche Eingriffe zu setzen. Das zielte auf die ursprüngliche Überlegung von Innenbehörde und Polizei, in Höhe des Ambientewegs eine zweispurige Straße vom Osterdeich zum Stadion zu bauen.

Das neue Einsatzkonzept soll in dieser Woche im Leitbildgremium – dort sind alle Anrainer der Pauliner Marsch vertreten – diskutiert werden, sagt Bücking. "Dabei werden wir uns ganz genau angucken, was da ausgetüftelt worden ist." Die Stellungnahme des Gremiums werde der Innendeputation dann noch vor ihrer nächsten Sitzung übermittelt.

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Freitag, 13. November 2015, 10:14

Bremen bürgt für Millionen-Kredit

Hochwasserschutz am Weserstadion

Im März soll es losgehen, dann bekommt das Weserstadion innerhalb eines halben Jahres einen besseren Schutz vor Hochwasser. Die Kosten: 7,5 Millionen Euro. Bezahlt wird das zu zwei Dritteln von der Bremer Weser-Stadion GmbH (BWS) und zu einem Drittel von der Stadt. So ist es nach Angaben der Wirtschaftsbehörde jetzt verabredet worden. Noch gibt es allerdings Einsprüche von Anwohnern gegen die Planung.

(Christina Kuhaupt)

Immer, wenn es ums Stadion geht, wird es kompliziert. Nicht nur, weil die Nachbarn vom Osterdeich über alte Rechte verfügen, sogenannte Grunddienstbarkeiten, die ihnen erlauben, in der Pauliner Marsch Einfluss auf die Bebauung zu nehmen. Vertrackt sind auch die Eigentumsverhältnisse. Wer bezahlt fürs Stadion? Wem gehört es überhaupt? Werder, der Stadt oder beiden? Für den Hochwasserschutz ist das wesentlich, denn dafür muss der Eigentümer aufkommen.

„Das Stadion gehört uns“, sagt BWS-Geschäftsführer Heinz Günther Zobel. Die Stadiongesellschaft zahle deshalb alles, was mit dem unmittelbaren Hochwasserschutz zu tun habe. Fällig werden mindestens fünf Millionen Euro. „Wir haben eine Bank gefunden, die das finanziert“, erklärt Zobel. Allerdings nur unter einer Bedingung: Die Stadt muss bürgen. Sie trägt am Ende das Risiko, wenn es schiefgeht und die BWS ihre Schulden nicht mehr bedienen kann.

Teurer Stadionumbau

Doch wer ist das eigentlich, die BWS? Es ist die Stadt, einerseits. Sie bürgt damit quasi für sich selbst. Andererseits ist es Werder. Beide Partner halten jeweils die Hälfte der Anteile. Wenn das Stadion der BWS gehört, Grundlage ist ein Erbbauvertrag mit der Stadt, gehört es also auch Werder – und der Stadt. Kompliziert, aber so ist die Sachlage.

Die BWS ist es auch, die auf den Kosten diverser Stadionumbauten der vergangenen Jahre sitzt. Sie muss nach Angaben von Zobel noch rund 70 Millionen Euro abtragen. Auch in diesem Fall ist die Stadt für eines der Darlehen als Bürge eingesprungen und garantiert für zehn Millionen Euro. „Zinsen und Tilgung zusammengerechnet, bedeuten die Kosten des Umbaus eine jährliche Belastung von zurzeit mehr als acht Millionen Euro.“ Hinzu komme demnächst der Abtrag für das Darlehen, das für den Hochwasserschutz benötigt wird. Bange ist dem Geschäftsführer trotzdem nicht: „Wir haben in diesem Geschäftsjahr Einnahmen von annähernd 13 Millionen Euro und schreiben schwarze Zahlen“, sagt Zobel.

Das Geld der BWS kommt zuallererst aus dem Nutzungsvertrag für das Stadion, den die Gesellschaft mit Werder abgeschlossen hat. Darin werden bestimmte Anteile aus dem Eintrittskartenverkauf festgelegt. Die Zahlungen sind also abhängig von Saisonverlauf und Zuschauerzuspruch, und da sieht es nach Darstellung von Zobel bislang gut aus: Ausverkaufte Bundesligaspiele und genügend Einnahmen auch in der Pokalrunde. „Schon nach dem Spiel gegen Köln war alles im Plan.“ Weitere Quellen für die BWS sind der Gastronomiepachtvertrag, die Mietverträge über Büro- und Funktionsflächen im Stadion und der Kooperationsvertrag mit dem Energieversorger EWE, der auch Sponsor von Werder ist.

Gespart wird an der Schönheit

Der Bundesligist kann anders als die BWS von einem positiven Abschluss nur träumen, dort werden die Zahlen nach Ablauf des Geschäftsjahres wieder tiefrot sein. Am Montag legt die Vereinsführung die Bilanz vor. Gerechnet wird mit einem Millionen-Defizit, wie bereits in den Jahren zuvor. Das Eigenkapital ist mittlerweile so gut wie aufgebraucht. Eine finanziell prekäre Situation, die weit entfernt ist von den fetten Champions-League-Jahren. Damals war Werder ohne weiteres in der Lage, der BWS solche Darlehen zu gewähren, wie sie jetzt für den Bau der Spundwände rund ums Stadion notwendig werden.

Das Planfeststellungsverfahren für das 7,5-Millionen-Projekt läuft. Die Kosten liegen rund 300.000 Euro tiefer als ursprünglich berechnet. SPD und Grüne hatten darauf gedrängt, dass beim Anteil der Stadt gespart wird. Bremen zahlt seine 2,5 Millionen Euro nicht für den eigentlichen Hochwasserschutz, sondern für die Landschaftsplanung drumherum. „Da kommt jetzt keine Schönheit mehr obendrauf“, sagt Holger Bruns, Sprecher der Wirtschaftsbehörde. Die Einsparung hat freilich ihren Preis, wie aus der Baubehörde zu hören ist. Weil nun die Träger öffentlicher Belange wegen der veränderten Planung neu gehört werden müssen, werde sich das Verfahren um einen Monat verzögern. Ziel sei aber weiterhin, im Frühjahr mit den Bauarbeiten zu beginnen.


Quelle: Artikel Weserkurier vom 13.11.2015

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